Das Selbstverständnis unserer Gewerkschaft
Leipzig ist für uns alle ein Zuhause
– egal, ob wir die Natur lieben oder die tollen Menschen hier. Und ganz gleich, ob unsere Wurzeln in Gohlis, Hannover oder Damaskus liegen: Wir alle verdienen ein sicheres Dach über dem Kopf. Doch die Realität sieht oft anders aus: kaputte Fenster, bröckelnde Fassaden und unerreichbare Vermieter machen uns das Leben schwer. Wir spüren, wie sich unsere Stadt verändert(, während unsere Häuser vernachlässigt werden). Es ist Zeit, dass sich etwas ändert!
Große Immobilienkonzerne kaufen unsere Viertel auf, führen Luxussanierungen durch und vermieten die Wohnung dann teuer weiter. Dabei verdrängen sie alles, was unsere Viertel ausmacht. Cafés, Bars und Geschäfte verschwinden, während wir mit Mietabzocke, kaputten Heizungen und Horror-Nebenkosten kämpfen. Das alles sind keine Ausnahmen – wir zahlen einen Großteil unseres Gehalts für systematisch schlechte Verwaltung. Deshalb sagen wir: Es reicht!
Nirgendwo zeigt sich die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft so deutlich wie auf dem Mietmarkt. Wer sich kein Wohneigentum leisten kann, muss für das Grundbedürfnis Wohnen einen riesigen Teil seines Einkommens opfern – Geld, das direkt in die Taschen reicher Vermieter und Immobilienkonzerne fließt. Wer nicht zahlen kann oder möchte, dem droht die Zwangsräumung. Miete zahlen zu müssen, bedeutet also ausgebeutet zu werden.
Während man bei Konflikten am Arbeitsplatz auf die Unterstützung von Betriebsräten und Gewerkschaften zählen kann, stehen Mieterinnen und Mieter dem Wohnungsmarkt oft schutzlos und ohne echte Handhabe gegenüber. Erfreulicherweise sind in Leipzig viele Initiativen und Vereine entstanden, die sich gegen Verdrängung und für lebenswerte Viertel einsetzen. Sie agieren aber oft lokal und isoliert. Ihr Fokus liegt meist auf der Lösung individueller Einzelfälle, statt eine übergreifende Schlagkraft zu entwickeln.
Doch wir wollen mehr! Wir wollen unsere Probleme als mietende Mehrheit der Bevölkerung gemeinsam angehen! Wir wollen nachhaltigen Druck auf Immobilienkonzerne aufbauen! Und: Wir wollen tatsächliche Veränderungen!
Deshalb wollen wir uns mit euch zu einer organisierten, unabhängigen und basisdemorkatischen Mietgewerkschaft zusammentun.
Ziel
Wir wollen nicht nur bei individuellen Problemen helfen – wir bauen eine Gewerkschaft in unserer Nachbarschaft auf! Schluss mit der Rolle Bittsteller: Wir wollen keine Dienstleisterin sein, sondern eine Plattform gegen Mietschikanen und Ausbeutung. Hier vernetzen wir uns, machen aus individuellem Ärger kollektive Stärke und erarbeiten gemeinsame Lösungen. Statt auf die Politik zu warten, steigen wir gemeinsam in den Ring und nehmen den Kampf gegen scheinbar übernächtige Vermieter auf.
Wir wollen aber auch andere Kämpfe und Herausforderungen des Alltags und Wohnens angehen. Mit Hilfe der Gewerkschaft wollen wir gemeinsam Strukturen in unseren Stadtvierteln unterstützen und aufbauen. Das heißt auch: Kultur- und Sozialangebote gegen die Epidemie der Einsamkeit.
Echte Veränderung startet im Viertel! Denn: Nur wenn wir Gemeinschaften in unseren Viertel aufbauen, können wir unsere alltäglichen Probleme effektiv angehen. Alleine kommen wir nicht weit, aber gemeinsam können wir eine Gegenmacht aufbauen. Wir lassen uns nicht länger zum Spielball derer machen, die aus unserer Miete Profit schlagen. Es ist Zeit für Selbstermächtigung statt Ohnmacht! Wir vernetzen uns und kämpfen für ein besseres Leben, bis uns die Immobilienhaie nicht mehr ignorieren können. Gemeinsam erstreiten wir uns das gute Leben für alle!
Konzept
Wir organisieren uns nicht für unsere Nachbar*innen, sondern mit ihnen. Warum? Weil wir im selben Boot sitzen. Wir sind genauso zur Miete verdammt, kennen die Ausbeutung und teilen die gleichen Interessen. Deshalb kämpfen wir auf Augenhöhe.
Wir arbeiten basisdemokratisch: Wir schaffen Strukturen, in denen jede Entscheidung gemeinsam getroffen wird. Dabei zählt jede Stimme gleich viel – völlig egal, wie lange du schon dabei bist oder wie viel Erfahrung du mitbringst.
Sexismus und Rassismus verdrängen Menschen aus unserer Stadt. Das ist kein Zufall, sondern System: Wer auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert wird, hat am Ende des Monats weniger Geld für die Miete – oder scheitert schon bei der Wohnungssuche an Vorurteilen. Unsichere Wohnverhältnisse sind die direkte Folge dieser Ungerechtigkeit. Wir halten dagegen: Die Mietgewerkschaft ist antirassistisch, feministisch und stellt sich aktiv gegen jede Form von Diskriminierung. Gemeinsam für ein Zuhause für alle!
Wir greifen auf bewährte Kampfstrategien historischer Arbeitergewerkschaften zurück, lassen uns von der FAU sowie modernen Mietgewerkschaften weltweit inspirieren und entwickeln diese weiter. Unser Ziel: Herausfinden, wie wir unsere Macht als Mieter*innen maximal effektiv ausbauen können.
Dafür setzen wir auf unabhängige, außerparlamentarische Strukturen. Wir spielen nicht nach den Regeln politischer Parteien, um unbeeinflussbar und unkäuflich zu bleiben – deshalb haben Parteien in unserer Organisation keinen Platz. Das bedeutet nicht, dass wir Reformen ablehnen oder taktische Bündnisse ausschließen. Doch als echte Verbündete zählen für uns nur diejenigen, die unsere Selbstorganisation und kollektive Ermächtigung genauso entschlossen vorantreiben wie wir selbst!
